Individuelles, eigenständiges Lernen

"EIGENSTÄNDIG lernen" - ein Ziel, keine Voraussetzung für die GMS

Pädagogische Instrumente in einer Lernlandschaft

Zunächst weist individuelles Lernen daraufhin, dass die Schüler im Mittelpunkt stehen und entsprechend ihrer Begabung und ihrem Lernstand gefördert und gefordert werden. Ebenso werden bei der Potentialentfaltung auch Lerntempo, Lernstile und Interessen beachtet. Das eigenständige Lernen wird begünstigt.

Wenn das individuelle, begleitete Lernen (s. Organisation des Lernens) zunehmend zur Eigenständigkeit führen soll, dann benötigen die Lernenden wirkungsvolle Instrumente, womit sie ihre Aktivitäten steuern können.

Eingebettet in eine Lernlandschaft kann der Lernprozess zielgerichtet geplant, dokumentiert, ausgeführt und reflektiert werden.

Unterstützend und die Motivation fördernd wirkt dabei echtes Lerncoaching, es ist ein zentrales Element unserer Gemeinschaftsschule.

Lernen in einer Lernlandschaft

Lernrelevante Faktoren

Konforme Instrumente einer Lernlandschaft

Beschreibung

Beispiel

ORIENTIERUNG

Bezugsnormen:

Bildungsplan 2016 für die Sekundarstufe 1

Kompetenzraster

(1. Ebene, ermöglicht dem Lernbegleiter einen schnellen Überblick über die Standards in einem Fach, unterstützt die Hinführung zur Eigenständigkeit des Lernenden.)

Ein Kompetenzraster stellt in einer Matrix die Bildungsstandards eines Faches komprimiert dar. In der 1. Spalte (vertikal) sind jeweils die Kompetenzbereiche der einzelnen Fächer bzw. deren Leitideen ausgewiesen.

In den Zeilen (horizontal) sind Lernfortschritte (LFS) angeführt, wobei der jeweilige Kompetenzbereich in Teilbereiche mit quantitativer oder qualitativer Steigerung zerlegt wird.

Die Reihenfolge ist variabel und individuell dem Lernprozess anpassbar, es geht jedoch schrittweise immer um einen Lernzuwachs.

ORIENTIERUNG

Bezugsnormen (s. oben)

Lernwegelisten

(2. Ebene hinter den Kompetenzrastern)

Zu einer Kompetenz und den individuellen Lernprozess sind Teilkompetenzen, Inhalte und Strategien ausgewiesen. Die Teilkompetenzen sind den einzelnen Niveaustufen zugeordnet. Eine passende Zuordnung von Lernmaterialien wird ermöglicht.

Lernwegelisten können bei der Leistungsbewertung für Rückmeldungen und dem Erstellen von Lernentwicklungsberichten genutzt werden.

ARRANGEMENTS

Lernorganisation

Lernmaterialien, Lernaufgaben *)

(zum Erwerb von Kompetenzen bzw. Teilkompetenzen)

Lernmaterialien: Individuelle Zugänge mit Struktur, überschaubar und transparent; schaffen Motivation; Lernende können eigenständig Kompetenzen stärken und ausbauen.

Lernmaterialien lassen sich nach ihrer (Lern-)Aufgabenstruktur wie folgt typisieren:

Lernsteps/Lernschritte: Fachbezug, kleinschrittig, geschlossene Arbeitsaufträge, konvergentes Denken, Selbstkontrolle wird ermöglicht.

Lernjobs/Lernthemen: Verknüpfungen zwischen Kompetenzbereichen, Themen und Fächern; offene Arbeitsaufträge; divergentes Denken wird gefördert.

Lernunits/Lernprojekte: längerfristig angelegte Projekte, freie Arbeitsaufträge zum divergenten Denken und forschendem Handeln.

VERSTEHEN

Verarbeitungstiefe

Lernprodukte

Das Kartenset "Lernerfolg ist lernbar" enthält Impulse zum kreativen und verstehenden Lernen.

Auf 7 Informationskarten (rot) befinden sich grundlegende Infos zum Lernen und Verstehen.

Auf 22 Was-Karten (gelb) werden mögliche lernnachweisende Tätigkeiten beschrieben, wie z. B. erklären, strukturieren, vergleichen usw.

Auf 33 Wie-Karten (blau) werden Formen dargestellt, wie man Lernprodukte/ Lernnachweise erbringen kann, z. B. Mindmap, Diagramm, Lernkarten usw.

Aus der Kombination der Was-Karten und der Wie-Karten ergeben sich 22 x 33 = 726 Möglichkeiten, die das Lernen gestalt- und nachweisbar machen.

EVALUATION

Umgang mit Leistungen

Lernnachweise

Lerntagebuch

Prinzipiell können Lernnachweise in schriftlicher, mündlicher und/oder praktischer Form ausgeführt werden. Beispiele wären Test, Vortrag, Rollenspiel, Plakatpräsentation, Mindmap, Diagramm, Experiment, usw.

Viele weitere Möglichkeiten werden im Kartenset "Lernerfolg ist lernbar" (s. oben) aufgezeigt.

Lerntagebuch:

Die Zusammenstellung eines Lerntagebuches obliegt der Schule und wird dem schuleigenen Konzept entsprechend angepasst. Auf den Seiten des Lerntagebuches plant, reflektiert, bewertet und kommentiert der Lernende seine Lernprozesse. In dieser Dokumentation werden die individuellen Lernprozesse sichtbar. Ebenso werden die Coaching-Gespräche protokolliert, der Lerncoach gibt Rückmeldung und Anregung.

Das Lerntagebuch stellt eine wichtige Kommunikationsplattform zwischen den Lernenden, den Lernbegleitern und den Eltern dar.

INTERAKTION

Kommunikation

Coachinggespräch

Lerntagebuch

Lerncoaching ist ein zentrales Element unserer Gemeinschaftsschule und wird hier näher erläutert.

*) Lernaufgaben in Bezug auf die Niveaustufen des Bildungsplans

Unsere Unterrichtserfahrungen beim Einsatz verschiedener Aufgabenformen zeigen, dass bei selbstdifferenzierenden Aufgaben dem Lernenden die Entscheidung überlassen werden kann, welchen Weg er wählt und wie weit sein Lernweg die Niveaustufen betreffend nach oben zeigt. Damit Lernen nicht beliebig endet, ist es Aufgabe des Lehrers und Lernbegleiters, die bestmögliche Leistung einzufordern. Das vordergründige Lernen auf einer bestimmten Kompetenzstufe tritt damit in den Hintergrund.

Das Lernen auf drei verschiedenen Niveaustufen

Der gemeinsame Bildungsplan für die Sekundarstufe 1 (Klasse 5-10) weist die inhaltsbezogenen Kompetenzen auf drei Niveaustufen (G, M, E) aus. In der Gemeinschaftsschule wird das Lernen und damit die individuelle Förderung je nach Fach und Thema auf den verschiedenen Niveaustufen ermöglicht. Entsprechend seinem Lernstand wird der Lernende genau da abgeholt, wo er steht. Er kann seine Stärken ausbauen und schwächere Bereiche nach und nach verbessern.

Im Sinnbild der "Lernerdbeere" wird die Vorgehensweise verdeutlicht und das gedankliche Zuordnen von Schularten in den Hintergrund gedrängt.

"Die Lernerdbeere" - ein Sinnbild

Die Erdbeerpflanze

benötigt einen humusreichen Boden als Grundlage für ein gesundes Wachstum.

Wenn die Blätter der Grünpflanze voll entwickelt sind, bilden sich aus Blüten leuchtend rote Früchte, die Erdbeeren.

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Auf das Lernen übertragen,

bedeutet dies, Grundwissen und Grundfertigkeiten zunächst auf dem grundlegenden Niveau festigen, um Wissen und Können auf dem mittleren Niveau zu erweitern. Eine weitere Steigerung erfährt das Lernen auf dem erweiterten Niveau.

Da "Wissen + Können + Wollen" (Kompetenzen) auf jeder Niveaustufe wachsen können, nimmt der Lernende sein Tun als Erfolg wahr.

Idealerweise passen wirkungsvolle Lernaufgaben für die drei Niveaustufen thematisch zusammen und bauen aufeinander auf.

Die Aufgaben bilden wie die "Erdbeerpflanze" eine Einheit, sodass sich Lernpartner gemeinsam über ihre Aufgaben und die gefundenen Lösungen unterhalten können.

Fehler stellen dann eine weitere Lernchance dar ...

Selbstdifferenzierende Aufgabenformate

  • Offene Aufgaben mit Ausgangsfrage/-phänomen

  • Fächeraufgaben mit der Möglichkeit der vielfältigen Lernwege

  • Blütenaufgaben mit ein bis zwei geschlossenen Einstiegsaufgaben und verschiedenen Öffnungsformen einer komplexen Aufgabe

  • Rampenaufgaben mit niederschwelligen Pflichtaufgaben und anspruchsvolleren Wahlaufgaben

  • Projektaufgaben mit Methodengerüsten

  • Lerngerüste (Scaffolding) für Schreib- und Lesestrategien, Methoden und Lernstrategien

  • Portfolio-Aufgaben für Themen-Portfolios und Projekt-Portfolios

  • .....

Der Aufbau von Kompetenzen zum eigenständigen Lernen

Das Lernen personalisieren und individualisieren bedeutet auch, die Lern- und Methodenkompetenz systematisch und altersgerecht aufzubauen. Eigenständiges Lernen wird insbesondere befördert, wenn Lernende zunehmend auf ihre erlangten und für sie passenden Lernkompetenzen zurückgreifen können.

Lernstrategien einsetzen

Lesestrategien, Vokabeln und Fachbegriffe lernen, Entwicklungsgespräch reflektieren usw.

Informationen verarbeiten

nachschlagen, beschaffen, recherchieren, auswerten, sortieren, visualisieren usw.

Über Methoden verfügen

einordnen, kombinieren, auf den Punkt bringen, Transfer herstellen, Ergebnisse präsentieren usw.

Organisieren

Arbeits- und Zeitpläne erstellen, Ordnung halten, Lerntagebuch führen, Arbeitstechniken anwenden usw.

Problemlösen

problemhaltige Aspekte erkennen, Hilfsmittel nutzen, Lösungsideen/Lösungswege finden und bewerten usw.

Lernen reflektieren

das eigene Tun verstehen und regulieren, Selbsteinschätzung, Feedback geben, Perspektiven für weiteres Lernen erkennen, Ziele festlegen, Lernkompetenz entwickeln

Neben dieser Basishandreichung (NL 50) gibt es weitere fachbezogene Publikationen im Webshop des Landesinstitus für Schulentwicklung (LS).

Hinweise

Eine ganze Reihe von Umsetzungshilfen und entsprechenden Handreichungen (s. oben) , um individuelle Lernprozesse in einer Lernlandschaft mit Kompetenzraster, Lernwegelisten und Lernmaterialien sichtbar werden zu lassen, wurden am LS erarbeitet.

Die Materialien sind bereits für die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch, Französisch und Biologie auf dem Landesbildungsserver Baden-Württemberg unter "Themen und Impulse >Individuelle Förderung >Allgemein bildende Schulen" im Zusammenhang dargelegt und stehen zum Download bereit.

"Kompetenz" begreifen

Kompetenz = Wissen + Können + Wollen

Kompetenz = handelnder Umgang mit Wissen

Kompetenz schließt die Anwendung mit ein.

Kompetenzen lernt man im Handeln und man zeigt sie im Handeln.

(vgl. Glossar zum kompetenzorientierten Unterricht auf dem Lehrerfortbildungsserver BW (Stand: Feb. 2019)

Bildungsplan 2016

Im gemeinsamen Bildungsplan für die Sekundarstufe 1 sind Leitperspektiven beschrieben sowie prozessbezogene und inhaltsbezogene Kompetenzen in den Fächern angegeben. Letztere sind auf drei Niveaustufen (G, M, E) und in klassenbezogenen Standards ausgewiesen.

Lernen

"Lernen ist lernbar: Schüler/innen brauchen ein Vokabular, um darüber sprechen zu können, wie sie lernen, was beim Lernen passiert und was gute Lerner/innen tun."

Brägger, G. u.a.: Leitfaden Lernstrategien.

www.IQESonline.net