Startseite | Kontakt | Impressum | Sitemap
Sie sind hier: Startseite // Archiv // Ereignisse // Schj. 2013-14

Gespräch mit der RNZ

 
Bericht in der Rhein-Neckar-Zeitung
 
Die Karl-Trunzer-Schule Buchen will Gemeinschaftsschule werden
Aber es fehlt die Zustimmung des Schulträgers und auch die Realschule will nicht
 

[11.04.2014] Gemeinschaftsschulen scheinen im Trend der Zeit zu liegen. Während die Anmeldezahlen in Adelsheim nicht nur neue Rekordmarken annehmen, sondern auch schon Schüler aus den Buchener Bereichen Götzingen und Bödigheim dorthin abwandern (ihre Zahl hat sich im Vergleich zum letzten Jahr sogar verdoppelt), leiden Hauptschulen unter zurückgehenden Schülerzahlen, was sich beispielweise in Hainstadt und Hettingen dramatisch auswirkt. Dort gibt es für die Klasse fünf in Hettingen nur eine Anmeldung, in Hainstadt dagegen keine! Damit ist in wenigen Jahren das Aus dieser Schulart besiegelt. Wie sieht das Schicksal der Buchener Karl-Trunzer-Schule unter solchen Einflüssen einer sich im Wandel befindlichen Bildungslandschaft aus? Schulleiter Walter Scheuerman und Konrektorin Natalie Ederer haben im Gespräch mit der RNZ ihre Überlegungen dargestellt und die zielen ganz deutlich in Richtung Gemeinschaftsschule.

In der Karl-Trunzer-Schule gibt es immerhin 32 Anmeldungen für die 5. Klasse, was eine Zweizügigkeit erlaubt. Nur drei Werkrealschulen im Schulamtsbezirk können ähnliche Zahlen vorweisen. Insgesamt werden an der Trunzer-Schule 220 Schüler unterrichtet. Für Walter Scheuermann bedeutet dies, dass "sich der Schulträger positionieren muss" und das Thema Gemeinschaftsschule in die Elternschaft zu tragen ist. Da sei noch ein gewaltiges Stück Aufklärungsarbeit notwendig. Immerhin soll seine Werkrealschule nicht aussterben: "Wir wollen das gestalten und mit Schul-Partnern Antworten finden". Als Ganztagesschule leiste man schon geraume Zeit gute Arbeit, was eine Voraussetzung für die Bildung einer Gemeinschaftsschule sei.

Sein Wunsch ist natürlich, mit der in unmittelbarer Nähe liegenden Realschule mit etwa 650 Schülern zusammen diese neue Schulform zu bilden, was aber dort auf keine Gegenliebe fällt. Ein erstes Gespräch letztes Jahr mit der Realschulrektorin sei in die Richtung gelaufen, dass sie die Realschule weiter als eigenständige Schule erhalten wolle. Und auch die Stadt als Schulträger hat zwar das Thema Schulentwicklung auf der Agenda, aber noch keine Entscheidung getroffen. Momentan läuft eine Elternbefragung, ob man in der Grundschule eine Ganztagesbetreuung wünscht oder nicht. Der Gemeinderat will sich in seiner nächsten Klausursitzung allerdings auch mit dem Thema Gemeinschaftsschule befassen. Man müsse sich dem Trend der Zukunft stellen, so Schulleiter Scheuermann, denn in längstens fünf Jahren gebe es keine Hauptschulen mehr und bald darauf auch keine Werkrealschulen. Daher gelte es, mit einem zeitgemäßen Konzept eine Antwort zu geben. Dieses Konzept brauche aber Vorlauf, da alle Beteiligten hineinwachsen müssen.

Natalie Ederer sieht drei Säulen, die von der KTS teilweise erfüllt werden. So eine funktionierende Ganztagesschule in gebundener Form, eine gewachsene Lernkultur und die individuelle Förderung von Schülern, aber gleichzeitig das Entwickeln eines Gemeinschaftsgefühls. Als Vorteil sieht sie, dass Eltern in einer Gemeinschaftsschule "viel stärker mit ins Boot geholt werden." Auch die Elternseite sehe eine Gemeinschaftsschule positiv. So sei vom Elternbeirat der Wunsch an die Schulleitung herangetragen worden, diese Richtung einzuschlagen. Doch Scheuermann und Ederer wissen, dass sie zuerst eine positive Entscheidung des Schulträgers und der umliegenden Schulen brauchen. Für einen Schulstandort wie Buchen sei es angebracht, die Dinge weiter zu entwickeln und darüber nachzudenken, wie eine Gemeinschaftsschule vor Ort gestaltet werden kann. Zudem seien die neuen Bildungspläne 2015/16 bereits auf die Gemeinschaftsschule ausgerichtet. Die Karl-Trunzer-Schule sei für die neue Schulform bereit, wenn es die Stadt wolle.

Stichwort Gemeinschaftsschule

Wie wird man Gemeinschaftsschule?

Alle allgemein bildenden weiterführenden Schulen können sich zu Gemeinschaftsschulen entwickeln, also Haupt-/Werkrealschulen, Realschulen und Gymnasien.

Eine Gemeinschaftsschule ist in den Klassenstufen 5-10 verpflichtende Ganztagsschule. Das bedeutet, dass an drei oder vier Tagen der Woche ein Ganztagesbetrieb mit rhythmisiertem pädagogischem Angebot gewährleistet sein muss. Schule und Schulträger entscheiden frei darüber, welche Variante sie wählen.

Durch längeres gemeinsames Lernen und durch bestmögliche individuelle Lernformen wird diese Schulart der Unterschiedlichkeit der Schüler gerecht. Die Schülerinnen und Schüler lernen miteinander und voneinander und entwickeln dadurch auch wichtige soziale Kompetenzen. Beispielhaft einige konkrete Punkte dazu:

  • schülerzentrierte Unterrichtsmethoden;
  • individuelle Lern- und Förderpläne für alle Schülerinnen und Schüler;
  • selbstverantwortliches Lernen individuell und in variablen Gruppen;
  • Praktika in unterschiedlichen Lebensbereichen;
  • Lehrerinnen und Lehrer arbeiten im Team;
  • individuelle Leistungsrückmeldung, durch Ziffernoten ergänzt;
  • rhythmisierter, bewegter Schulalltag.


Für eine Bewertung des pädagogischen Konzepts hat das Kultusministerium hohe und umfangreiche Qualitätsanforderungen gesetzt:
- Umgang mit Vielfalt: produktiver Umgang mit Heterogenität;

- planvolle und kontinuierliche Förderung des individuellen und kooperativen Lernens;
- Unterrichtsqualität: Schwerpunkt auf selbstverantwortlichem Lernen und Lebensweltbezug; Lehrkräfte als Lernbegleiter; Teamarbeit;
- Verantwortung: achtsamer und gewaltfreier Umgang mit Personen und Sachen, demokratisches Engagement, Eigeninitiative und Gemeinsinn;
- Schulklima: Freude am Lernen und am Miteinander, pädagogisch fruchtbare Beziehungen zu außerschulischen Partnern;
- Qualitätsmanagement: hohe Professionalität der Schulleitung, Bewusstsein als lernende Organisation, Projektmanagement;
- Leistungsanspruch: Leistung als Qualitätsmerkmal, Orientierung an den Stärken der Schülerinnen und Schüler;
- Erfahrungen mit Ganztagsschule, Inklusion und aktiver Elternarbeit erwünscht.

Texte: F. Weidenfeld, RNZ