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"Abgebrannt oder: Voll der Loser"

 

Im Sumpf von Abhängigkeit und Gruppendruck

Theater "Radelrutsch" präsentierte Präventivtheater "Abgebrannt oder: Voll der Loser"

 

[06.11.2012] Wenn er, der coole Tom, es schafft, eine Woche lang nicht zu rauchen, bekommt er von seinem Kumpel Dennis 50 Euro auf die Handy-Karte. Die Wette klingt leicht, erweist sich für den 14-Jährigen aber als ganz schön schwierig! Logisch eigentlich! Denn das Rauchen ist eine Sucht, und von Süchten loszukommen ist bekanntermaßen sehr, sehr schwer. Die beste Möglichkeit ist, gar nicht erst mit dem Rauchen anzufangen. Am Dienstag, 6. November, gastierte das Theater "Radelrutsch" aus Heilbronn mit dem interaktiven Präventivtheater "Abgebrannt oder: Voll der Loser"  im Wimpina-Saal. Auf kind- bzw. jugendgerechte Art und Weise und ohne den erhobenen Zeigefinger verdeutlichte Schauspieler Udo Grunwald den Fünft- bis Achtklässlern der Karl-Trunzer-Schule, welche Schwierigkeiten der Zigarettenkonsum mit sich bringt und welchen Preis man für das "cool sein" (so wird ja das Rauchen oft gesehen) bezahlen muss. Unterstützt wurde der Auftritt von der Diakonie Mosbach.

 

Immer wieder unterlegt und umrahmt von moderner Musik beobachten die "Spione" (die Schülerinnen und Schüler) das Eintreffen des Zeitungsausträgers Tom an der Bushaltestelle des Ortes, wo er eine Pause einlegt und über sein Leben, seine Einstellungen und v.a. die laufende Wette erzählt. Sie erfahren, dass v.a. sein Handy und das Rauchen Unsummen an Geld verschlingen und sein Taschengeld hinten und vorne nicht reicht. Kein Wunder wenn man seine Hochrechnung verfolgt, wie viel Geld er monatlich alleine am Kippenautomat lässt. So wird es nichts mit einem moderneren Handy, dem sehnlichst gewünschten Rucksack, der X-Box  und einem schnelleren Computer! Denn "Windows 98 ist doch für Steinzeitmenschen", findet der unzufriedene Nörgler, der außerdem nur Markenklamotten als richtige Kleidung ansieht. Markenlose Klamotten sind für Loser! Als er aber die Schuld für all die nicht erfüllten Wünsche allein bei seinen Eltern sucht, greift dann doch der eine oder andere Schüler mal lauthals ein.

 

Nebenbei führte die bewusst nervöse, gereizte und launische Spielart des Schauspielers den interessierten Kindern und Jugendlichen deutlich vor Augen, wie sehr Toms Körper schon nach dem Nikotin verlangt, was den jungen Mann selbst überraschte. Denn eigentlich so verriet er rauche er doch nur, um dazuzugehören und cool zu sein. Doch ist der Gruppenzwang bedeutender als die Gesundheit, die Fitness und zu guter Letzt die Gefahr der Abhängigkeit?? Und ist er wirklich cooler als der, der zu angebotenen Zigaretten "nein" sagt?? In keinster Weise!! In Wirklichkeit, so gab er vor seinen jungen Zuschauern zu, seien in seiner Clique alle Raucher neidisch auf diejenigen, die dem Druck Stand gehalten haben und sich mit ihrem Geld nun viel tollere Sachen kaufen können. Auch gebe keiner zu, dass der Geschmack von Zigaretten in Wirklichkeit ekelhaft ist. "Das Gesundheitsessen spucken wir aus", hinterfragte sich der Pommes-, Pizza- und Döhner-Fan, "beim Rauchen tun wir so, als würde es uns schmecken!?"

Am Ende wurde immer deutlicher, dass nicht die Nichtraucher, sondern die Raucher die wahren Loser sind. Denn wer bei der Joggingrunde mit seinem Vater hinterher hechelt wie "ein alter Staubsauger mit Asthma" und seine Freundin verliert, weil er nach einer laufenden Müllkippe stinkt, kann sich nicht wirklich als Gewinner betrachten auch wenn er vielleicht ganz zu Beginn etwas mehr Anerkennung bekommen und sich ein kleines bisschen erwachsener gefühlt hatte. Ist es das wirklich wert, nach und nach den Geschmacks- und den Geruchssinn zu verlieren und die Gesundheit der Lunge und anderer Körperteile aufs Spiel zu setzen? "Die meisten Raucher halten sich selbst für totale Versager", nur zugeben tun das natürlich die wenigsten.

 

Und so feierten die Kinder und Jugendlichen, die immer wieder in das Stück eingebunden wurden, mit "We are the champions" Toms Nichtraucher-Woche. Und am Ende durften sie sich noch mit dem Darsteller unterhalten und ihn alles fragen, was ihnen auf den Nägeln brannte. Die wichtigste Frage verneinte er ganz entschieden: "Rauchen Sie?"

Text u. Fotos: I. Waldherr, KTS